Aston Martin V12 Vantage S

 - bei Automagazin Plus
Aston Martin V12 Vantage S - Front- und Seitenansicht Vogelperspektive - bei Automagazin Plus Aston Martin V12 Vantage S - Front- und Seitenansicht auf der Straße - bei Automagazin Plus Aston Martin V12 Vantage S - Heck- und Seitenansicht auf der Straße - bei Automagazin Plus Aston Martin V12 Vantage S - Frontansicht auf der Straße - bei Automagazin Plus Aston Martin V12 Vantage S - Kühlergrill - bei Automagazin Plus Aston Martin V12 Vantage S - Motor - bei Automagazin Plus

Ein Abgesang in zwölf Zylindern

Mit dem V12 Vantage S schrieb Aston Martin im Jahr 2013 ein kompromissloses Kapitel Automobilgeschichte. Dieses Fahrzeug stand von Beginn an für pure Kraft, traditionelles Handwerk und dynamische Direktheit – ohne Rücksicht auf kurzlebige Trends oder weichgespülte Kompromisse.

Der Vantage, seit 2005 im Portfolio, war immer das kompaktere, aggressivere Gegenstück zum eleganten DB-Modell. Doch die Idee, einen V12 in das kleinere Vantage-Chassis zu packen, war ein radikaler Bruch mit der Norm. Genau diese Idee wurde 2013 Realität – mit dem V12 Vantage S, einer evolutionären Weiterentwicklung des bereits respektierten V12 Vantage: schärfer, lauter, extremer.

Wer Aston Martin kennt, weiß: Der Buchstabe „S“ steht nicht für Dekor oder Marketing, sondern für ernst gemeinte Performance. Der V12 Vantage S wurde gebaut für Fahrer, nicht für Rechenschieber. Und mit ihm brachte Aston Martin ein Stück Motorsportseele auf die Straße – roh, ungefiltert, brutal direkt.

Aston

Form und Format: Design, Maße, Volumen

Auf den ersten Blick wirkt der V12 Vantage S wie ein klassischer Aston Martin – elegant, muskulös, klar gezeichnet. Doch unter dieser klaren Linie verbirgt sich ein aggressiver Charakter. Der Carbon-Splitter vorne schärft nicht nur die Optik, sondern erhöht den Anpressdruck bei hohen Geschwindigkeiten. Die Lüftungsschlitze auf der Haube sind keine Showelemente – sie sorgen für die nötige Wärmeabfuhr des großvolumigen Zwölfzylinders. Der Verzicht auf Chrom und der Einsatz schwarzer Netzgitter im Grill unterstreichen das Ziel: maximale Funktionalität, klare Dominanz.

Mit 4385 mm Länge bleibt der V12 Vantage S handlich, während 1865 mm Breite (ohne Spiegel) für sattes Auftreten sorgen. Die Höhe von nur 1250 mm lässt ihn tief, gedrungen und kompromisslos wirken – ein Fahrzeug, das sich nicht aufplustert, sondern duckt. Der Radstand von 2600 mm sorgt für kurze Reaktionswege, besonders in schnellen Kurvenpassagen. Die Spurweite liegt bei 1586 mm vorne und 1590 mm hinten – breit, aber perfekt balanciert. Der Luftwiderstandsbeiwert (cW-Wert) liegt bei rund 0,33 – kein Rekordwert, aber angemessen für ein Fahrzeug mit echter Downforce.

Der Kofferraum fasst exakt 300 Liter – das reicht für zwei kleine Reisetaschen oder Helme und Rennanzüge, aber sicher nicht für eine Urlaubsreise. Die Gewichtsverteilung liegt bei rund 51:49 zugunsten der Hinterachse, das Gesamtgewicht bei etwa 1665 Kilogramm. Kein Leichtgewicht, aber durch tiefen Schwerpunkt, kompakte Maße und Carbonanteile in Frontsplitter, Diffusor und Spiegelkappen dennoch erstaunlich agil. Das Design spricht eine klare Sprache: Zweck vor Zierrat, Kraft vor Komfort – ohne sich im martialischen Overkill zu verlieren.

V12 mit Charakter: Motorisierung und Leistungswerte

Im Zentrum des V12 Vantage S arbeitet ein Aggregat, das man heute kaum noch findet: 5,9 Liter Hubraum, zwölf Zylinder in V-Anordnung, keine Aufladung, keine digitale Manipulation – nur mechanische Ehrlichkeit. Der AM28-Saugmotor wirkt nicht wie eine Maschine aus dem Windkanal, sondern wie ein Statement aus Stahl und Feuer. Die 573 PS entfalten sich nicht auf Knopfdruck, sondern bauen sich mit Nachdruck auf – ein steter Strom an Kraft, der sich in der Drehzahl spiralförmig zuspitzt.

Wer das Gaspedal durchtritt, spürt, wie der Antrieb ohne jede Verzögerung anschiebt. Keine künstlich gestutzte Charakteristik, keine plötzlichen Turboschübe – nur konstante, lineare Gewalt, die das Fahrzeug nach vorn reißt. In 3,9 Sekunden ist die 100er-Marke geknackt, doch das Zahlenwerk beschreibt nicht ansatzweise, was dabei passiert: Der Körper wird in den Sitz gedrückt, das Lenkrad wird zur Klammer, der Blick verengt sich – das ist kein Beschleunigen, das ist ein physischer Angriff.

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 330 km/h – erreichbar auf freier Strecke, aber nur dann, wenn man dem Fahrzeug und sich selbst absolute Präzision zutraut. Dieser Antrieb fordert Respekt, er verlangt vom Fahrer Kontrolle, Timing und Instinkt. Wer das Zusammenspiel von mechanischer Kraft und menschlichem Können meistern will, bekommt hier ein Erlebnis, das in der heutigen, digital geregelten Performance-Welt beinahe ausgestorben ist.

Aston

Technik ohne Schnickschnack: Ausstattung und Sicherheit

Ein adaptives Dämpfersystem mit drei Fahrmodi (Normal, Sport, Track), eine Lenkung mit hydraulischer Servounterstützung – kein EPS – und Carbon-Keramik-Bremsen von Brembo sind die Werkzeuge, mit denen der V12 Vantage S arbeitet.

Das 7-Gang-automatisierte Schaltgetriebe (Sportshift III) mit Einzelkupplung war zur Zeit der Einführung umstritten – viele erwarteten ein manuelles Getriebe oder ein modernes Doppelkupplungssystem. Doch das Sportshift reagiert knallhart und kompromisslos. Die Gänge fliegen nicht, sie schlagen. Wer hier mit sanften Schaltvorgängen rechnet, ist im falschen Film.

Ein ESP ist vorhanden, lässt sich aber in mehreren Stufen deaktivieren. Totwinkelassistent? Fehlanzeige. Der V12 Vantage S ist ein analoges Performance-Werkzeug, kein digitales Sicherheitsversprechen.

Innenraum: Leder, Alu, kein Theater

Im Cockpit wird es britisch-streng. Keine verspielte Lichtorgel, kein Tablet-artiges Interface – stattdessen strukturierte Schalter, große Rundinstrumente, viel Alcantara, Karbon und Alu. Das Infotainmentsystem war schon zur Einführung angestaubt – ein modifiziertes Becker-Modul mit Navigation, Radio und Bluetooth, aber ohne Touchscreen oder moderne Konnektivität.

Die Sitze? Tief montiert, hart gepolstert, mit perfektem Seitenhalt. Wer größer als 1,90 Meter ist, wird mit dem Dachhimmel kämpfen, aber Sitzposition und Lenkrad lassen sich exakt auf sportliches Fahren einstellen. Die Klangkulisse im Innenraum ist dominiert vom Dröhnen und Fauchen des Zwölfzylinders – auf Langstrecke kein Flüsterer, aber ein Erlebnis.

Das Fahrgefühl

Der V12 Vantage S verlangt nach einem Fahrer, der bereit ist, sich auf ein unverfälschtes und intensives Fahrerlebnis einzulassen. Die Lenkung ist direkt und präzise, jede Bewegung wird unmittelbar umgesetzt. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, besonders in den Modi Sport und Track, was auf glatten Straßen für ein intensives Fahrerlebnis sorgt. Auf kurvigen Landstraßen zeigt der Vantage S seine Stärken, vorausgesetzt, der Fahrer ist konzentriert und erfahren.

Der Klang des V12-Motors ist unverwechselbar. Kein künstlich erzeugtes Grollen, sondern ein authentischer, mechanischer Sound, der ab 4000 U/min durch die Klappenanlage verstärkt wird. Das tiefe Brummen verwandelt sich in ein kraftvolles Fauchen, das an die GT1-Rennwagen vergangener Zeiten erinnert.

Insgesamt bietet der V12 Vantage S ein Fahrerlebnis, das durch seine Unmittelbarkeit und Intensität besticht. Er ist kein Fahrzeug für den Alltag, sondern für besondere Momente, in denen das Fahren selbst im Mittelpunkt steht.

Exklusivität hat ihren Preis

Bei seiner Markteinführung kostete der V12 Vantage S in Deutschland rund 180.000 Euro – ohne Optionen. Mit Individualisierung, Lackierungen, Interieur-Upgrades und Carbon-Extras kletterte der Preis schnell in Richtung 220.000 Euro. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind heute gepflegte Exemplare selten unter 140.000 Euro zu finden, stark laufleistungsabhängig.

Die Verfügbarkeit ist limitiert – insgesamt wurden weltweit nur rund 3100 Fahrzeuge produziert, davon ein Bruchteil mit manuellem 7-Gang-Getriebe. Damit ist der V12 Vantage S nicht nur selten, sondern ein Auslaufmodell.

Aston

Wer mischt hier mit? Konkurrenz im Check

Auf dem Papier konkurriert der V12 Vantage S mit Fahrzeugen wie dem Porsche 911 Turbo S, dem Ferrari F12 Berlinetta oder einem Mercedes-AMG GT R. Doch während diese Mitbewerber auf moderne Assistenzsysteme, teils Allradantrieb und Doppelkupplungen setzen, fährt der Aston Martin bewusst gegen den Strom.

Ein Ferrari F12 ist stärker, komfortabler, aber auch schwerer. Der Porsche ist effizienter und digitaler – aber auch deutlich anonymer. Und der AMG GT R hat zwar ein beeindruckendes Setup, wirkt aber weniger charaktervoll. Der V12 Vantage S zieht seine Linie kompromisslos durch – kein Alltagsbegleiter, sondern ein Instrument für fokussierte Fahrer, die mehr fühlen als filtern wollen.

Schlussakkord eines Zwölfzylinders

Der V12 Vantage S war nie für die Masse gedacht. Er ist laut, unvernünftig, rau – und genau deshalb so begehrenswert.

Aston Martin hat mit diesem Modell den letzten echten Vantage-V12 mit puristischer Abstimmung gebaut, bevor Turbos, Hybride und Assistenten die Kontrolle übernommen haben. In der Tuning- und Performance-Community gilt er als „Dark Horse“ – ein Fahrzeug, das unter der medialen Oberfläche lief, aber echten Fahrern und Kennern sofort Respekt abverlangt.

Lamborghini Sian Roadster - Innenraum Sitze bei Automagazin Plus
© Automobili Lamborghini S.p.A.
Favicon von Automagazin Plus Sportwagen
Lamborghini Sian Roadster
Der lauteste Blitz, den Sant’Agata je gebaut hat
Abarth 124 Spider - Front- und Seitenansicht bei Sonnenuntergang bei Automagazin Plus
© Stellantis / Abarth
Favicon von Automagazin Plus Sportwagen
Abarth 124 Spider
Italienischer Roadster mit japanischen Genen
Ferrari 12Cilindri - Heck- und Seitenansicht Vogelperspektive bei Automagazin Plus
© Ferrari S.p.A.
Favicon von Automagazin Plus Sportwagen
Ferrari 12Cilindri
830 PS für das letzte echte V12-Erlebnis
Mercedes-Maybach SL 680 - Seitenansicht Vogelperspektive bei Automagazin Plus
© Mercedes-Benz Group AG / Mercedes-Maybach
Favicon von Automagazin Plus Sportwagen
Mercedes-Maybach SL 680
Der erste Sportwagen unter dem Maybach-Wappen
Alfa Romeo 4C Spider - Heck- und Seitenansicht bei Automagazin Plus
© FCA Germany GmbH
Favicon von Automagazin Plus Sportwagen
Alfa Romeo 4C Spider
Klingt wie ein Sportgerät, weil er eins ist
Porsche 718 Boxster - Frontansicht bei Automagazin Plus
© Porsche AG
Favicon von Automagazin Plus Sportwagen
Porsche 718 Boxster
Wer ihn fährt, will es wirklich wissen